Mein Kunstverständnis – My Concept Of Art

Mein Kunstverständnis

Alle Kultur stammt aus dem Kultus, also aus der gemeinsamen ritualisierten Gottes- bzw. Götterverehrung. Zwar hat sich die Kunst im sog. christlichen Abendland aus dem Korsett kirchlicher Ge- und Verbote befreit, damit auch die Beschränkung auf religiöse Themen hinter sich gelassen und sich stattdessen immer mehr der erlebten Realität der Welt zugewandt. Um die Beschränkung zu überwinden, muss man aber den religiösen – oder philosophischer formuliert: den mythischen – Bezug der Kunst keineswegs völlig aufgeben, im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass das mal unterschwellig wirkende, mal deutlich sichtbare Bewusstsein von der ungebrochenen „Gegenwärtigkeit des Mythos“ (Leszek Kolakowski) zu den ergiebigsten Inspirationsquellen zählt.

Und deshalb glaube ich auch an die Überlegenheit der gegenständlichen und konkreten Kunst gegenüber der gegenstandslosen. Natürlich möchte ich die innovativen Leistungen von Pionieren wie Kandinsky und Mondrian nicht schmälern, von den Gegenwärtigen aber erscheint mir inzwischen das meiste schal und unbefriedigend. In ähnlicher Weise halte ich auch die Entpolitisierung des künstlerischen Schaffens, die wir in den letzten Jahrzehnten erleben, für einen Trend, der als Gegenbewegung zur hochpolitischen Phase in den 1950er, 60er und 70er Jahren zwar verständlich sein mag, nun aber seinerseits dringend revidiert gehört. Schon in ihrem Ursprung des gemeinsam ausgeübten Ritus ist die Kunst eine Angelegenheit, die ihre Kraft und Wirksamkeit aus der Gemeinschaft bezieht, in der sie ausgeübt wird. Kunst heute muss also zwangsläufig kraft- und wirkungslos bleiben, wenn sie sich mit der Lebensrealität dieser Gemeinschaft nicht auseinandersetzt. Wenn sie es aber tut, dann ist sie eben politisch in des Wortes ursprünglicher Bedeutung.

Das muss sich keineswegs in seichtem Agitprop erschöpfen – ein Begriff, der heute von den Rittern und Ritterinnen der Unverbindlichkeit allzu gern und leichtfertig als Schimpfwort auf künstlerische Arbeiten mit politischer Aussage geheftet wird. Wie dumm! Gibt es doch den Surrealismus, der sich seinerseits keineswegs darauf beschränkt, eine Taschenuhr schlaff wie ein Spiegelei über einem toten Ast hängend zu malen. Andrè Breton, der Vordenker des Surrealismus, formulierte sein „Zweites surrealistisches Manifest“ auch ganz klar als Appell zum künstlerischen Widerstand gegen den Faschismus. Und wenn nun der Surrealist der erlebten Realität nicht nur seine Traum- und Rauschbilder entgegensetzt, wenn er vielmehr beide Ebenen der Wahrnehmung, das real Gesehene und das innerlich Gesehene, auf eine solche Weise miteinander legiert, dass sichtbar wird, dass die erlebte Realität in viel höherem Maße absurd ist als z.B. die Vision „Imagine“ eines John Lennon, dann kann diese Kunst bei aller Phantasie-Entwicklung Bodenständigkeit, Verbindlichkeit, gesellschaftlichen Bezug und mithin auch politische Kraft erreichen.

Genau in diesem Sinne verstehe ich Surrealismus, und das geht auch ganz ohne gewisse Substanzen. Ich persönlich arbeite meist mit zuvor sorgsam ausgewählter Musik, inzwischen immer öfter aber auch mit dem süßen Reiz der Stille, die in unserer rücksichtslos lärmvermüllten Welt immer kostbarer wird. Manchmal obsiegt dabei die reine Freude daran, der unvernünftigen Wirklichkeit mit der Phantasie ein Schnippchen zu schlagen. Manchmal vermischen sich die Ebenen in der eben beschriebenen Weise. Manchmal trägt es mich bei der Suche nach Antworten auf Friedrich Schillers alte Frage: „Das Zeitalter ist aufgeklärt, warum sind wir (immer noch) Barbaren?“ Und manchmal hilft es mir auch, in der Empörung meinen Humor zu bewahren. Humor beginnt ja bekanntlich da, wo der Spaß aufhört – sagte jedenfalls Werner Finck, und ich glaube, der wusste, wovon er sprach.

Oktober 2016

My Concept Of Art

All culture comes from the cultus, i.e. from the collective ritualized worship of God respectively the Gods. In the so called Christian Occident the arts may have liberated themselves from the corset of ecclesiastical regulations and prohibitions, left behind the restriction to religious subjects and dedicated themselves ever more to the experienced reality of the world.

Yet, to overcome these limitations one must not necessarily give up the religious – or philosophically speaking: the mythological – context of art completely, on the contrary.

I’m convinced, this sometimes subliminally working, sometimes very obvious consciousness of the unbroken “Presence of Myth“ (Leszek Kolakowski) is one of the most fruitful sources of inspiration. Because of this I also believe in the superiority of the representational and concrete in art over the nonobjective. Of course, I have no intention to belittle the innovative achievements of pioneers like Kandinsky and Mondrian, but as for the present ones, most of their works seem stale and shallow to me. Similar is my view on the de-politicization of the artists‘ creative activities, which we have been observing during recent decades. This trend can be explained as a counter reaction to the highly political phase in the 1950s, 60s and 70s, but now this trend itself definitely and urgently needs to be reversed. In its very origin from the collectively performed rite art is a matter drawing its power and efficiency from the community in which it is practiced. Vice versa: art today is bound to remain weak and ineffective if not addressing the realities of life of this community. But if it does then art is political in the original sense of the word.

That doesn’t mean at all, the artist should reduce himself to simple Agitprop – a label, which today’s knights of detachment very quickly and very thoughtlessly fix on art works with a political statement. How stupid! As if there wasn’t Surrealism which goes a lot further than just painting a pocket watch sagging like a fried egg over a dead branch. Andrè Breton, the progressive thinker of Surrealism, designed his „Second Manifesto Of Surrealism“ very clearly as a call for artists‘ resistance against Fascism. And if the Surrealist not only counters the experienced reality by his dream and jag pictures, but merges both levels of perception, that what he observes outside and that what he comprehends inside, and thus makes visible that the experienced reality is absurd to a much higher degree than for instance John Lennon’s vision “Imagine“ could ever be, then his art in all blooming fantasy can achieve down-to-earthishness, commitment, social reference and therefore also political significance.

Precisely this way I understand Surrealism, and it flows very well even without using certain substances. Personally I mostly work with carefully chosen music, and meanwhile ever more often with the sweet appeal of silence which becomes increasingly precious in our ruthlessly noise polluted world. Sometimes sheer joy of outwitting unreasonable reality by meaningful fantasy wins the battle, sometimes the levels merge in the above described sense, sometimes it carries me in my search for answers to Friedrich Schiller’s old question: “Our times are enlightened, why are we (still) barbarians?“ And sometimes it simply helps me to keep my humor intact even in indignation. As we know: Humor begins where fun is ending – that’s what Werner Finck said anyway, and I guess he knew what he was talking about.

October 2016

Demokratische Provokationen

03. – 29. Oktober 2016

Ausstellung „Demokratische Provokationen“

Josef-Hellenbrock-Haus, Südwall 38, 47798 Krefeld

Vernissage: 3. Oktober, 11 Uhr

Die SPD Krefeld lädt zur Kunstausstellung von Mojo Mendiola mit diversen Mixed Media Objekten und collage-basierten Digitalen Gemälden surrealistisch-politischen Charakters rund um den „Umkehrstuhl 2 Krefeld Themen“

salat surreal

Mojo Porträt2013

„Ist das hier ein Blog-Haus?“, fragte der kleine Blog. „Vielleicht wird es eins“, antwortete der große Blog. „Auf jeden Fall ist es keine Bank und von daher gesehen relativ ungefährlich.“ „Das ist gut“, fand der kleine Blog. „Ich will nämlich keine Bank, sondern einen Platz unter einem Dach, an dem ich Gedanken und Bilder ausbreiten kann.“

„Aha, und was für Gedanken und Bilder sind das?“ „Praktisch von Apfel bis Zimt: von Bebop und Beatnik, Dada und Dylan,  von Eseln und Einsiedlern, Göttern und Gänsen, von Kunst und Krawall, von Liedern und Lachen, von Oden und Ölen, Prinzen und Pfeifen, von Schiffen und Stränden, vom Tanz um den Tand, von Wundern und Wüsten, Xanthippen und …“ „Da bin ich aber gespannt“, sagte der große Blog. „Ich glaube, das wird ein richtiger ‚Salat Surreal'“